Emmer und Einkorn


Um diese beiden alten, aber neu entdeckten Weizenarten näher zu beschreiben, zitieren wir  aus einem Artikel aus einer Vortragsreihe der Uni Hohenheim:

Der Einkornweizen ist eine der ersten primären Kulturpflanzen. Bereits vor mehr als 10 000 Jahren wurde er in Europa angebaut. Seine Heimat ist der "Fruchtbare Halbmond", also der Landbogen zwischen den Flüssen Euphrat, Tigris und Jordan. Das Wildeinkorn hatte eine brüchige Ähre. Durch natürliche Auslese wurde es in eine nichtbrüchige Kulturform (Tritium monococcum ssp. monococcum) umgewandelt. Das heutige kleine Anbauzentrum des "Steinzeit-Weizens" liegt in Südosteuropa. In Deutschland wird Einkorn nur auf bescheidenen 50 bis 100 Hektar angebaut. Der Kulturemmer (Triticum dicoccum oder T. turgidum) ist ebenfalls ein "Exot" im deutschen Getreideanbau. Seine Anbaufläche wird in den nächsten Jahren auf 1 000 Hektar ansteigen, schätzt Jan Sneyd. Der "Zwei-Korn-Weizen" ist aus dem Einkorn durch die Einkreuzung einer weiteren Art entstanden. Mit zwei Körnern pro Ährchen ist er ertragreicher als das Einkorn - das eben nur "ein Korn" pro Ährchen aufweist. Beide - Emmer und Einkorn - sind Stammformen des heutigen Saatweizens.

Bis zum Ersten Weltkrieg wurden die beiden Sorten in Deutschland angebaut - wenn auch damals schon in geringem Umfang. Als Nahrungsmittel hatte dabei der ertragreichere Emmer den Einkornweizen schon früh verdrängt. Das Einkorn wurde aber im Schwäbischen bis in die 30er Jahre zur Strohnutzung kultiviert. Seine sehr festen, stabilen Halme wurden zum Anbinden von Bäumen oder Weinreben genutzt. Nach dem Krieg verschwanden die "Extensiv-Weizensorten" fast vollständig. Mit Erträgen von zehn bis 20 Dezitonnen pro Hektar konnten sie mit intensiv angebautem Saatweizen nicht konkurrieren.

Verwendung heute
Heute erleben Einkorn und Emmer einen "kleine Renaissance". Vor allem Bio-Betriebe haben das robuste, anspruchslose Getreide wiederentdeckt. Einkorn und Emmer werden zu Mehl, Brot, Gebäck oder Nudeln verarbeitet. In der Brotbäckerei verlangt vor allem der Emmer allerdings einiges an Geschick, da er geringe Klebereigenschaften aufweist. Vielversprechend ist der Einsatz in der Nudelproduktion: Mit ihren harten Körnern sind Emmer und Einkorn gut zum Kochen geeignet. Emmer wird wegen seines hohen Proteingehaltes und seines Resistenzpotenzials gegenüber zahlreichen Pilzkranheiten (zum Beispiel Echter Mehltau, Braun-, Gelb- und Schwarzrost) auch in der Züchtungsforschung zur Einkreuzung in Durum- oder Saatweizen genutzt. Jan Sneyd prophezeit den alten Sorten eine positive Zukunft: "Die Nachfrage steigt. Die Verbraucher sind zunehmend an extensiv angebautem "Urgetreide" interessiert.

Anbau

  • Emmer und Einkorn sind vor allem für den Anbau auf Grenzertragsstandorten interessant.
  • In der Fruchtfolge sind sie ählich dem Hafer einsetzbar.
  • Die Bestandesdichte sollte bei 400 Ähren pro Quadratmeter liegen, um befriedigende Erträge zu erzielen, empfiehlt Jan Sneyd.
  • Für die Unkrautbekämpfung ist einiger Aufwand nötig: Einkorn und Emmer schließen ihre Reihen erst spät, so dass bei Verzicht auf Pflanzenschutzmittel meist gehackt werden muss.
  • Die Anfälligkeit für Krankheiten ist gering. Dazu trägt sicherlich die vergleichsweise niedrige Anbaudichte bei, die die Belüftung der Halme verbessert und einen Feuchtestau verhindert. Die natürlichen Resistenzen gegenüber Pilzkrankheiten kommen hinzu.
  • Die Grunddüngung ist ähnlich wie bei anderen Getreidesorten. Zur Vorsicht rät der Nürtinger Wissenschaftler beim Stickstoff (N): Einkorn und Emmer sind lageranfällig. Für die N-Versorgung sei ein Leguminosen-Anteil in der Fruchtfolge oder 80 Kilogramm N / ha ausreichend.
  • "Die Ernte ist ein wunder Punkt", sagt Jan Sneyd. Um die Spelzen und Grannen gut ausdreschen zu können muss der richtige Reifegrad abgewartet werden. Andererseits führt spätsommerlicher Regen, der vor der Ernte auf das Getreide fällt, schnell zum Quellen der Körner und damit zum Verlust der Backqualität. Die Ernte sollte also weder zu früh noch zu spät im Jahr erfolgen. Sneyd empfiehlt als Erntezeitraum Anfang bis Mitte August.
https://www.uni-hohenheim.de/akoe/archiv/vortragsreihe/emmer.htm


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